Knaup's Deutschland Tour Tagebuch: 1. Etappe

29.08.2019 1. Etappe: Hannover - Halberstadt - 167 Kilometer


Hallo liebes Tagebuch,

ich berichte dir heute von der 1. Etappe der Deutschland Tour. Nach dem langen Abend gestern bei der Nacht von Hannover konnten wir zum Glück ausschlafen, da erst um 13 Uhr Start war. Also ging ich entspannt um 9 Uhr zum Frühstück.

Über die Auswahl am Buffet konnte man nicht meckern und es gab sogar frisch gepressten Orangensaft. Also war es fast so gut wie Zuhause. Danach gingen ein paar Jungs von uns noch zum Alpecin Barber und ließen sich die Haare schneiden. Jonas die Ziege sah danach sogar so gut aus, dass er endlich mal ein Tinder Match erreichen könnte. Ich ging aber wieder ins Zimmer und tat Dinge, die man eben so macht nach dem zweiten Kaffee.

Um 12 Uhr war von unserer sportlichen Leitung eine Besprechung angesetzt und wir trafen uns in unserem extra für die Tour gemieteten Caravan. Das Ding ist echt krass und hat mit seiner Länge von ca. 8m genug Platz für uns 6 Fahrer, um uns vor und nach den Etappen umzuziehen, zu duschen und Dinge wie Helme, Brillen, Schuhe etc aufzubewahren.

Bei der der Besprechung ging es natürlich um die Taktik für den heutigen Tag und eine Einschätzung wie die gesamte Rundfahrt vielleicht verlaufen wird. Nebenbei mapften einige von uns noch genüsslich ihr zweites Frühstück in Form von Reis mit Pesto, Ketchup oder Zucker & Zimt.

Der heutige Tag sah ganz klar nach einer Sprinteretappe aus, aber mit nur einer Bergwertung und 2 Sprintwertungen wollten wir als deutsches Kontinental Team natürlich einen Fahrer in der Spitzengruppe dabei haben, um uns ein Wertungstrikot zu sichern. Der schöne Jonas und Josh sollten sich bei diesem Unterfangen etwas zurückhalten und schauen, dass nicht etwas unerwartetes an dem Bonus Sprint 15km vor dem Ziel passiert. Dieser sah auch eher wie eine Bergwertung aus und hätte als Startrampe für Puncheure wie Alaphilipp oder Kwiatkowski dienen können, um sich einen ersten Vorteil für die Gesamtwertung zu sichern.

Um 12:15 machten wir uns dann am Caravan rennfertig und rollten zur Einschreibung, die wieder auf der Bühne von der Teampräsentation stattfand. Um kurz nach 13 Uhr fuhren wir dann unter dem Applaus vieler Zuschauer zum neutralen Start los. Mein Vater war auch nochmal dort und ich konnte ihm auf den ersten Metern noch zum Abschied einen Gruß zu winken.

Während der neutralen Phase versuchten wir 4 Fahrer, die für die Gruppe eingeteilt wurden, darunter Jan Hugger, Robert Kessler, Kim Heiduk und ich uns vorne zu positionieren, um direkt bei den ersten Attacken dabei zu sein. Jedoch war das leider nicht so einfach und der erste Angriff schien schon zu sitzen. Es konnten sich erst 3 Mann lösen und dahinter machte sich Julian Braun vom Team Dauner alleine auf die Verfolgung.

Über den Teamfunk konnte ich Josh hören wie er mir zu brüllte ich solle über den Radweg nach vorne fahren um ebenfalls in die Gruppe zu springen, da die Sprinterteams schon Barrage machten. In einer Linkskurve konnte ich dann Positionen gut machen und startete meinen Gegenangriff. Allerdings hatte ich sofort einen Aufpasser vom Team Bora am Hinterrad und so versuchte ich dann, die Lücke von 200-300m zu schließen, um eine weitere Attacke von meinen Teamkollegen vorzubereiten.

Ich konnte etwa auf 100m rankommen und nachdem ich langsamer wurde ging sofort Kim in die Attacke. Aber auch er schaffte es nicht ganz, doch unser Josh, der sich immer zu 100% an die Anweisungen hält sprang nach vorne in die Gruppe und konnte sich dann mit 3 weiteren Fahrern lösen. Als ich durchs Feld gereicht würde, spürte ich eine Hand an meinem Becken, wo Jonas versuchte mich bisschen zu Seite zu schieben, um nach vorne zu fahren.

Allerdings fühlte es sich eher so an, als würde er sich an mir abziehen. Dieses Schauspiel war auch sehr zur Belustigung vom Briten Alex Dowsett vom Team Kathusa-Alpecin. Nach einigen kurvigen Ortsdurchfahrt kam dann sofort Ruhe ins Feld ein und alle schienen glücklich mit der Rennsituation zu sein. In der Fluchtgruppe waren Trek, Rusvelo, Bike-Aid und wir mit Josh vertreten.

Ab da hieß es für mich, die Jungs um Jonas aus dem Wind zu halten und sie mit Trinkflaschen zu versorgen. Aber auch für kurze Gespräche mit bekannten Fahrern aus dem Feld war Zeit. Josh konnte vorne beide Sprintwertungen für sich entscheiden, jedoch bei der Bergwertung war für ihn kein Kraut gewachsen gegen den Franzosen Julian Bernard von Trek.

Etwa 30 km vor dem Ziel war der Vorsprung der Gruppe, die dann auch nur noch aus 3 Fahrern bestand, auf eine knappe Minute geschmolzen. Hinten im Feld wurde es zunehmend nervöser und es passierten die ersten Stürze. Ich konnte noch rechtzeitig abbremsen, aber bei Jan wurde es etwas brenzliger. Natürlich nur mit viel Können konnte er dem Sturz ausweichen. Dabei fuhr er regelrecht freihändig, in dem Gedanken gleich kopfüber in den Sturz zu fallen über einen vor ihm liegenden Fahrer von Astana drüber. Für die Aktion gab's auch Lob von Schweizer Matthias Frank, der mich fragte ob wir sowas trainieren würden. Ich erwiderte ihm, dass unsere Simplon Räder auch für's Kunstradfahren benutzt werden könnten.

Bei dem Bonus Sprint, der in der Anfahrt Kopfsteinpflaster enthielt, hatte ich nicht die beste Position und musste den Anschluss zum Feld aufgeben. Ich hatte auch nicht mehr viel Kraft in den Beinen. Somit "rollte" ich mit einer angehängten Gruppe, 2 Minuten hinter dem Tagessieger Pascal Ackermann, ins Ziel. Mit dabei waren auch ein paar prominente Fahrer wie Caleb Ewan und Mark Cavendish.

Im Ziel gab's dann ein kühles zuckerhaltiges Softgetränk und ich rollte zum Parkplatz zum Caravan. Nach einer erfrischenden Dusche ging's im Auto ins 130km entfernte Hotel.

Unser Abendessen genossen wir in der Gesellschaft von Team Ineos und Trek, die ebenfalls mit uns im Hotel untergebracht sind. Nach der Massage geht's für mich sofort ins Bett, da morgen um 8:45 Uhr Abfahrt zur zweiten Etappe ist.

Danach melde ich mich wieder bei euch.

Sport frei

Euer Knaupaner

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